Buchempfehlung: „Fight: A Christian Case for Non-Violence“ von Preston Sprinkle

In einer Zeit, in der man den Eindruck bekommen kann, dass der Krieg immer näher rückt, und in der die Hemmschwelle zu Gewalt täglich niedriger wird, behandelt das Buch „Fight: A Christian Case for Non-Violence“ („Kämpfen: Ein christliches Plädoyer für Gewaltlosigkeit“) von Preston Sprinkle ein spannendes und relevantes Thema. Es wurde im Jahr 2013 veröffentlicht. 2021 wurde das Buch neu aufgelegt und mit dem Titel „Nonviolence: The revolutionary way of Jesus“ („Gewaltlosigkeit: Der revolutionäre Weg von Jesus“) veröffentlicht. 

Vielleicht ist dir auch aufgefallen, dass viele Bibelstellen, besonders im Alten Testament, aufgrund der intensiven Gewalt schwer zu schlucken und zu verstehen sind. Preston Sprinkle schafft es in ca. 300 Seiten aus meiner Sicht sehr gut, tief, theologisch und praxisnah das Thema anzusprechen und zu behandeln, um einerseits Gewalt und Krieg in der Bibel besser zu verstehen, andererseits für den Alltag bewaffnet zu sein, um mit dem Thema als Nachfolger Christi umzugehen.

Auch wenn leider dieses Buch aktuell meines Wissens nur auf Englisch verfügbar ist, hoffe ich sehr, dass es eines Tages ins Deutsche übersetzt wird. In der Zwischenzeit möchte ich in den nächsten Zeilen einiges daraus mit dir teilen.

Im ersten Kapitel „Berg der Totenköpfe“ (S. 11) erklärt der Autor, wie er zum Thema gekommen ist und wie er in diesem Buch das Thema behandeln will. Er macht auch immer wieder klar, dass er selbst noch viele Fragen zum Thema hat und es ihm nicht nur um Theologie, sondern auch um den praktischen Umgang mit diesem Thema geht.

Was ist also die christliche Antwort auf Krieg und Gewalt? Ist es jemals notwendig, Krieg zu führen, um dem Bösen zu begegnen? Oder kann man Gewalt gegen einen Feind anwenden, der die eigene Familie angreift? Und was ist mit der Todesstrafe? Sollten Christen den Tod eines Massenmörders feiern? Oder den eines Selbstmordattentäters? Wie steht es mit dem Töten, um ein Leben zu retten? Selbstverteidigung? Dienen im Militär? Das Töten im Militär? Beten wir, dass Diktatoren Jesus begegnen oder einem Scharfschützen?“ (S. 14)

Ab Kapitel zwei „War Israel eine gewalttätige, völkermordende, blutdürstige Nation?“ (S. 29), geht Sprinkle intensiv auf die Geschichte vom Gottesvolk Israel ein, indem er bestimmte Bibelstellen näher erklärt.

Der Autor macht gleich eine grundlegende Aussage zum Thema Gewalt und Krieg im Alten Testament:

„Das Gesetz des Mose war für ein bestimmtes Volk bestimmt, das in einem bestimmten Land, für eine bestimmte Zeit und in einer bestimmten Kultur lebte.“ (S. 38)

Ein paar Seiten weiter bringt er es auf dem Punkt: 

Jesus, nicht Mose, offenbart Gottes ideale Ethik.“ (S. 41)

Deshalb führt Sprinkle aus:

Um die Gewalt im Alten Testament zu verstehen, müssen wir sie daher im Rahmen der „Erlösungsbewegung“ von Gottes Plan sehen. Gott begegnet Israel in seiner brutal gewalttätigen Welt und führt es schrittweise weg von dieser Gewalt und hin zu Frieden und Gewaltlosigkeit.“ (S. 42)

Wenn man die Bibel liest und sich mit dem Alten Testament auseinandersetzt, bleibt der Umgang mit Krieg und Gewalt in Israel verwirrend. Deshalb nimmt Preston Sprinkle in Kapitel drei das Thema „Israels bizarre Kriegsführungspolitik“ (S. 45) unter die Lupe. 

Dieses schwierige Thema setzt eine wichtige Herangehensweise voraus. 

Wie auch bei anderen Gesetzen – Polygamie, Sklaverei usw. – kam Gott der altorientalischen Lebensweise entgegen, indem er unter bestimmten Umständen Gewalt zuließ. Wenn wir jedoch Israels Gewalttätigkeit im Lichte anderer altertümlicher Praktiken der Kriegsführung betrachten, sehen wir, dass Gottes Gesetz (und andere Teile des Alten Testaments) eine moralische Verbesserung gegenüber der Lebensweise der anderen Völker darstellt.“ (S. 45)

Deshalb ist es wichtig klarzustellen: 

Es ist alles eine Frage der Perspektive. Aus der Sicht der Bibel ist Gott der Schöpfer des Lebens, und als Schöpfer des Lebens hat er auch das Recht, das Leben zu nehmen. Dieses Recht steht ausschließlich dem Schöpfer zu.“ (S. 55)

In diesem Kapitel erklärt Sprinkle aus meiner Sicht sehr klar und verständlich den Unterschied zwischen Israel und den anderen Völkern wie zu Beispiel den Ägyptern, den Kanaanitern oder den Philistern. Alle anderen Völker hatten einen König und eine professionelle Armee. Warum nicht Israel?

„Einen König zu haben bedeutete, einen Krieger zu haben, der durch sein Militär absolute Macht ausübte. Aber Israel ist anders. Jahwe ist sein König, dem das ganze Land gehört (5. Mose 25,23), und er wird seine Armee sein. Gott braucht keine menschliche Armee, um sein Land zu schützen. Er ist durchaus in der Lage, das Land selbst zu verteidigen, wie er immer wieder unter Beweis stellt.“ (S. 47)

„Israels „Armee“, wenn man sie überhaupt als Armee bezeichnen kann, ist eine Gruppe von Wochenendkriegern, deren Fähigkeiten – oder deren mangelnde Fähigkeiten – von der Macht Gottes zeugen, der allein den Sieg garantiert. (…) Während die anderen Nationen viel Vertrauen in ihren König und die Macht seiner Armee setzen, ist Israel aufgerufen, Vertrauen in seinen König und dessen Macht zu haben.“ (S. 48)

Israels „Armee“ ist absichtlich schwach, damit Gott sich als unbestreitbar stark erweisen kann.“ (S. 50)

Um diese Kriegsführungspolitik Gottes zu verdeutlichen, nutzt Sprinkle das Beispiel vom Roten Meer in 2. Mose 14-15.

„Das deutlichste Beispiel für diese „gottzentrierte“ Kriegsführung ist der Durchzug durch das Rote Meer (2. Mose 14-15), wo Gott auf wundersame Weise das Wasser teilt und die ägyptische Armee besiegt. Die gesamte „Schlacht“ wird von Gott allein geschlagen und gewonnen. Israel tut nichts weiter, als auf dem Sand zu stehen und zuzusehen. Keine Schwerter. Keine Kämpfe. Keinerlei menschliche Beteiligung. Gottes Sieg am Roten Meer setzt den Maßstab für Israels nachfolgende Schlachten: Israel muss nicht nur die Waffen in die Hand nehmen, um zu kämpfen, sondern auch an Gott glauben, um den Krieg zu gewinnen. (…) Wenn Israel sich auf seine eigene militärische Macht „Pferde, Waffen und Soldaten“ verlässt, verliert es. Wenn es auf Gott vertraut, gewinnt es.“ (S. 52)

Als Amerikaner ist es logisch, dass Preston Sprinkle aus der Sicht eines US-Bürger schreibt. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass wir als Deutsche, Franzose, Europäer und überhaupt als Menschen viele Aussagen auf uns beziehen können. Wie z.B. am Ende des dritten Kapitels: 

Viele Christen werden sich damit begnügen, ausgewählte Verse herauszuschneiden und einzufügen, die mit der amerikanischen Weltanschauung (bzw. mit der menschlichen Weltanschauung) übereinstimmen, um dem Militär eine gewisse religiöse Unterstützung zu geben. Manche nennen das schlechte Hermeneutik, andere nennen es Synkretismus. Die israelitischen Propheten nannten es Götzendienst.“ (S. 58)

Deshalb ist es unheimlich wichtig die Texte der Bibel, die über Krieg und Gewalt berichten, nicht zu umgehen, sondern uns damit auseinanderzusetzen. In diesen Texten lernen wir viel über die Beziehung Gottes zu den Menschen – sowohl zu den Menschen, die ihm nachfolgen, als auch zu den Menschen, die sich gegen ihn auflehnen. 

Damit wird’s deutlich:

„Jesus sagte, dass die Pforten der Hölle Gottes Reich nicht überwinden werden, und keine Terroristenbande, keine faschistische Regierung, kein unterdrückerischer Diktator und kein Abrüstungsprogramm wird Jesu Verheißung übertrumpfen.“ (S. 59)

Viele Menschen können (verständlicherweise) schwer verstehen, was Gott mit dem Befehl an sein Volk meint, alles zu töten, was atmet. Damit setzt sich der Autor im Kapitel vier „Tötet alles, was atmet“ (S. 65) auseinander und erklärt anhand vom Buch Josua Folgendes: 

„Nirgendwo in der Heiligen Schrift, weder im Alten noch im Neuen Testament, ist Josuas Eroberung für künftige Generationen vorgeschrieben. Es ist nur eine Beschreibung dessen, was geschehen ist. Es gibt nichts in der Bibel, das die Eroberung als Rechtfertigung für Krieg oder Gewalt nutzt. Nichts.“ (S. 79)

Deshalb schreibt Sprinkle in Kapitel fünf „Schwerter zu Pflugscharen“ (S. 85): 

Nur weil die Bibel über bestimmte Ereignisse berichtet – wie die Vergewaltigung von Dina und Judas sexuelle Affäre mit Tamar – bedeutet das nicht, dass Gott das Geschehene gutheißt. (…) Kriege gibt es überall im Buch der Richter (das „ist“), aber sie spiegeln nicht alle den Wunsch Gottes wider (das „sollte“).“ (S. 84)

„Der Sieg kommt von Jahwe, nicht von Schwertern und Speeren. Und gewalttätige Aktivitäten, die die anderer Nationen widerspiegeln – persönliche Rache, Verstümmelung, Bürgerkrieg oder Krieg ohne Bezug zur Landverheißung – werden verurteilt. Israel sollte militärisch schwach bleiben. Es sollte niemals „genug militärische Macht aufbringen, um die Feinde zu besiegen“. Das macht Gott.“ (S. 84)

Preston Sprinkle schreibt in den Kapiteln drei bis sechs detailliert über Propheten und Könige im Alten Testament (z.B. Josua, Richter, David, Jehoshaphat, Jesaja u.v.m.), um zu verdeutlichen, dass Gott Gewalt und Krieg niemals gutgeheißen hat, sondern nur in bestimmten Situationen und zu einer bestimmten Ziel toleriert hat.

„Jesaja glaubt, dass alle militärischen Anstrengungen angesichts eines vorrückenden Feindes wertlos sind. Gewalt, die von Israels Armee oder seinen Verbündeten ausgeübt wird, kann keinen Frieden aus einem drohenden Krieg schaffen. Schalom wird durch die Hand Gottes geschaffen, nicht durch das Schwert des Menschen. Ja, der Engel erschlägt gewaltsam Tausende von Assyrern, aber solche Gewalt bleibt dem Volk Gottes vorenthalten: „Die Rache ist mein … spricht der Herr“ (Röm 12,19).“ (S. 96)

Ab Jesaja sehen wir, dass Gott sich zunehmend von jeder Art von Militarismus abwendet. Die hebräischen Propheten, die auf Jesaja folgen, prophezeien eine Zeit des Friedens, ein Zeitalter des Shalom. Sie stellen sich ein Reich vor, das von paradiesischer Harmonie geprägt ist, eine entmilitarisierte Herrschaft, die nicht von dieser Welt ist, ein neu geschaffenes Volk, dessen Identität von gewaltfreiem Frieden geprägt sein wird. Mit anderen Worten: Die Propheten malen den Schatten von Jesus.“ (S. 97)

„Gottes Politik der qualifizierten Kriegsführung des alten Bundes wird im neuen Bund aufgegeben. (…) Gott wird alle Mittel der Kriegsführung unter seinem Volk abschaffen. (…) Anstatt Israel zu benutzen, um die Nationen zu besiegen, was im alten Bund seinen Platz hatte, wird Gott durch seinen Messias „Frieden zu den Nationen sprechen“: „Sein Name wird Friedefürst genannt werden“ (Jesaja 9,6-7). (…) Die Identität des Messias wird die des Friedens sein. Und er wird diesen Frieden gewinnen, indem er die Gewalt absorbiert, statt sie zu fördern.“ (S. 98)

In Kapitel sechs „Der König und sein Reich“ (S. 107) bewegt Sprinkle die Thematik weiter Richtung Neues Testament und besonders Jesus Christus, indem er einerseits immer deutlicher macht, wie Jesus selbst mit dem Thema umgegangen ist, andererseits, wie seine Nachfolger damit umgehen sollen.

„Was meint Jesus also mit „mein Reich ist nicht von dieser Welt“? Die Antwort findet sich gleich in den nächsten Worten Jesu: „Wenn mein Reich von dieser Welt wäre, würden meine Diener kämpfen.“ Gewaltlosigkeit ist der Kern von Jesu Definition des Reiches Gottes. Im weiteren Sinne meint Jesus damit, dass sein Reich nicht dem Drehbuch all der anderen national geprägten weltlichen Reiche der Geschichte folgen wird. Das Reich Jesu wird die Herrschaft Gottes auf Erden verwirklichen, die den Propheten zufolge den Völkern Frieden bringen, den Unverdienten Vergebung gewähren und Nächsten- und Feindesliebe gleichermaßen ausüben wird. Der Gegensatz zwischen „von dieser Welt“ und „nicht von dieser Welt“ besteht also nicht zwischen einer materiellen und einer geistlichen Herrschaft, sondern zwischen einer weltlichen und einer göttlichen Art zu herrschen.” (S. 108-109)

Folgende Abschnitte des Buches haben mich besonders angesprochen: 

„Das Reich Jesu wird nicht durch physische Kämpfe zustande kommen. Es wird ein entmilitarisiertes Reich sein, in dem Feinde geliebt und Übeltätern vergeben werden.“ (S. 110)

Willkommen in Jesu verkehrtem Reich, in dem Schwäche Macht ist, Macht Schwäche ist und Leiden zu Herrlichkeit führt.“ (S. 113)

„Jesu Reich, das nicht von dieser Welt ist, ist geprägt von Gewaltlosigkeit. (…) Wir sind aufgerufen, anders zu sein, uns dem Reich Jesu, das nicht von dieser Welt ist, anzuvertrauen. Weltliche Reiche spannen ihre Muskeln an, um die Erde zu beherrschen; Jesus kniet nieder, um Füße zu waschen“ (S. 115)

Deshalb geht der Autor in Kapitel sieben auf das Thema „Liebe deine Feinde“ ein.

Jesu Predigt ist mehr als eine persönliche Ethik – ein Weg, auf dem der Einzelne ein besserer Mensch werden kann. Vielmehr ist die Predigt dazu bestimmt, Gottes Gemeinschaft neu zu gestalten, sein Volk zu einem sichtbar anderen Reich zu formen, das allen anderen falschen Reichen gegenübersteht. Oder in Jesu eigenen Worten: Wir sollen das „Salz der Erde“ und das „Licht der Welt“ sein – ein öffentliches Zeichen für einen anderen Weg (Mt 5,13-4).“ (S. 120)

Wie können wir konkret Salz und Licht bzw. ein öffentliches Zeichen sein?

Wir werden Salz und Licht sein, wenn wir uns mit unseren Schuldigen versöhnen und den Ehepartner lieben, den wir nicht mehr lieben. Das steht alles im Predigttext. Salz und Licht. Solch unerwartete Handlungsweisen – ein König in einer Krippe – werden die Aufmerksamkeit auf Jesu auf den Kopf gestelltes Reich lenken, das von sanftmütigen Friedensstiftern regiert wird, die reinen Herzens sind. Wenn uns Unrecht geschieht, vergeben wir; wenn wir Geld haben, geben wir; wenn wir kein Geld haben, geben wir; wenn wir geben, prahlen wir nicht damit; wenn wir fasten, lächeln wir; wenn wir Nahrung und Kleidung brauchen und das Bankkonto leer ist, machen wir uns keine Sorgen wie der Rest der Welt. Stattdessen beten wir.“ (S. 121)

In Römer 12,20-21 fordert der Apostel Paulus: „Wenn nun deinen Feind hungert, so speise ihn; wenn ihn dürstet, so gib ihm zu trinken! Denn wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten!“ Sprinkle unterstreicht Paulus’ Aussage, in dem er uns mit den folgenden Worten ermutigt:

Schockiere deinen Feind, indem du ihn oder sie in Großzügigkeit ertränkst.“ (S. 125)

Es soll klar sein, dass wir nicht dazu aufgefordert werden, passiv und untätig zu sein, wenn wir mit Gewalt konfrontiert werden.

„Jesus plädiert nicht für laue Passivität, sondern für gewaltfreie Hyperaktivität, die von hartnäckiger Liebe durchdrungen ist.“ (S. 126) Wir sollen nun nicht so handeln, wie uns tagtäglich vor Augen geführt wird. Dass es eine Herausforderung ist, ist klar. Preston Sprinkle macht das in seinem Buch ebenfalls deutlich und betont: „Diese Sache mit dem Reich Gottes ist nichts für schwache Nerven“ (S. 125)

Persönlich ertappe ich mich manchmal bei dem Wunsch, bestimmte Leute, die mich entweder verletzen, nerven oder stören, wehtun zu wollen. Ich versuche, in meinem Kopf die Situation hin und her zu drehen, damit ich meine Gedanken und meinen Wunsch mit der Bibel rechtfertigen kann. Genau da bremst uns aber Preston Sprinkle, indem er Folgendes schreibt: 

„Das Alte Testament erlaubte Israel, Gewalt gegen seine Feinde anzuwenden (unter bestimmten Umständen), aber das war nicht das Ideal. Das Ideal ist es, seine Feinde zu lieben. (…) Wer ist also unser Feind? So gern ich der Feindesliebe auch Grenzen setzen würde, Jesus tut es nicht. Es gibt nichts im Kontext, was die Bedeutung von „Feind“ einschränkt. (…). Es gibt nichts in den Worten Jesu, das die Bedeutung von „Feind“ auf bestimmte Arten von Menschen beschränkt.“ (S. 130-131)

Ich behaupte, dass jeder von uns von einer bestimmten Art von Menschen besonders genervt und gestört wird. Wie das heute auf Deutsch so schön heißt, werden wir von bestimmten Menschen „getriggert“ (es kommt vom englischen „trigger“ und bedeutet „Abzug“, bzw. der Abzug einer Waffe). Das ist aus menschlicher Sicht verständlich. Jesus setzt aber einen anderen Maßstab. An dieser Stelle ist es wichtig, uns daran zu erinnern, was unsere Motivation in der Nachfolge ist und worauf es wirklich ankommen sollte. 

Die zwei folgenden Zitate aus Kapitel 7 „Liebe deine Feinde“ gehören zu den Sätzen, die aus meiner Sicht ganz besonders aus diesem Buch herausstechen und die mich sehr angesprochen haben:

Treue und nicht Effektivität ist unsere Motivation. (…) Wir lieben unsere Feinde, tun denen, die uns hassen, Gutes, segnen die, die uns verfluchen, sind freundlich zu den Undankbaren und überhäufen böse Menschen mit Barmherzigkeit, nicht weil ein solches Verhalten immer hilft, Ungerechtigkeit zu bekämpfen, sondern weil ein solches Verhalten Gottes hartnäckige Freude an unliebsamen Menschen zum Ausdruck bringt. Treue und nicht vermeintliche Effektivität motiviert unsere Reaktion auf das Böse. Wir sind treue Vermittler von Gottes unverdienter Liebe, wenn wir denen, die uns hassen, Gutes tun.“ (S. 140)

„Ob ein solches Verhalten zu Chaos führt, unsere Religionsfreiheit ruiniert oder Feinden erlaubt, unser Land zu regieren, ist nicht unsere Sorge. Unser Glaube gilt dem König der ganzen Schöpfung, der gelitten hat, gestorben ist, von den Toten auferstanden ist und nun von oben herab regiert und uns mit ihm zur Rechten des Vaters setzt. Unser Leben, unsere Zukunft, unsere Sicherheit, unsere Freiheit, unser Leid und unser Schicksal – all das liegt in seiner Hand. Die Herrschaft Gottes auf Erden – das Reich Jesu – braucht keine militärische Macht, keine dicken Grenzen, keine überlegenen Waffen und keinen wirtschaftlichen Wohlstand, um voranzukommen. Was Gott vor zweitausend Jahren durch seinen gekreuzigten Sohn begonnen hat, wird triumphieren, und die Pforten der Hölle – geschweige denn Al-Qaida – werden es nicht überwinden können.“ (S. 140-141)

Effektivität ist in unserer Gesellschaft unheimlich wichtig. Projekte und Investitionen werden danach ausgewertet, wie effektiv sie sind bzw. wieviel Gewinn sie hergebracht haben und entsprechend wird oft entschieden, ob ein Projekt entweder weiter geführt oder aufgegeben wird. Preston Sprinkle erinnert uns aber daran: Wenn es um Gewalt, Krieg und Feindesliebe geht, können wir nicht nach der „Effektivität“ entscheiden, sondern nach der Treue zu Gottes Liebe!

Im Kapitel acht „Gute Bürger“ geht Preston Sprinkle einen weiteren Schritt Richtung Praxis und betont erneut, dass es keineswegs darum geht sich alles passiv gefallen zu lassen. 

Wie bei Jesus ist die gewaltlose Liebe alles andere als passiv. Vielmehr ist sie gegenkulturell aktiv, indem sie vergibt, ehrt, segnet und die körperlichen Bedürfnisse derer befriedigt, die dich nicht ausstehen können.“ (S. 148)

Jesus wurde zum Diener, um für seine Feinde und durch ihre Hand zu sterben. Wir dienen nicht nur denen, die es verdienen, sondern auch denen, die es nicht verdienen. (…) Den Feind lieben. Gutes für böse Menschen tun. Niemals Rache üben. Auf Gewalt mit gewaltloser Liebe reagieren – auch wenn sie Leid bringt. Dies sind keine Optionen, sondern die wichtigsten Charaktereigenschaften derer, die behaupten, einem gekreuzigten Gott zu folgen.“ (S. 149)

Eine Sache schätze ich in diesem Buch sehr, das sind die direkten Worte vom Autor. Er geht nicht über große Umwege, um zu schreiben, was Sache ist. Wie in diesem Zitat z.B.: 

„Rache ist Gottes Sache, nicht unsere. Wir brauchen das Böse nicht zu rächen, denn Gott wird es tun“ (S. 156)

Weiter bleibt es spannend, als Preston Sprinkler in Kapitel neun „Der Zorn des Lammes“ darüber schreibt, wie Gott den Sieg über die Welt errungen hat. Ganz anders als die damaligen Machthaber:

„Im Gegensatz zu den römischen Herrschern siegt Jesus nicht mit Schwertern und Lanzen, sondern mit einem Kreuz. Das Lamm besiegt, indem es besiegt wird. (…) Jesus besiegt, indem er stirbt.“ (S. 166)

Gott überwindet die Welt nicht durch eine Machtdemonstration, sondern durch das Leiden und den Tod von Jesus.“ (S. 167)

Und ein bisschen weiter: 

„Leiden bis zum Tod ist nicht bloß ein sinnloses Unglück, das Gott wieder gutmacht, sondern das eigentliche Mittel, mit dem Gott das Böse besiegt. Christen, die leiden, verlieren nie, denn Christus hat bereits gesiegt.“ (S. 182)

In Kapitel zehn „Die frühe Kirche in einer gewalttätigen Welt“ erklärt der Autor deutlich, dass das Thema des Umgangs mit Gewalt und Rache für die Christen der frühen Gemeinde keine Theorie war, über die wir uns beim Mittagessen nach dem Gottesdienst unterhalten, sondern:

„Die frühen Christen schrieben über Gewalt mit dem Schwert im Nacken“. (S. 191)

In Kapitel elf „Angreifer an der Tür“ und in Kapitel zwölf „Fragen und Einwände“ geht Preston Sprinkle auf praktische Fragen und Themen ein, wie z.B. Todesstrafe, Umgang mit Menschen, die uns oder unsere Familie bedrohen usw. 

Zum Schluss macht er deutlich: 

„Das Neue Testament zeigt kein großes Interesse an der Politik der Zeit. Wir sollen uns den leitenden Kräften unterordnen, für sie beten und unsere Steuern zahlen. Aber dem Reich Gottes wird nicht aufgetragen, das Reich Roms (oder andere zeitgemäße Reiche) moralischer zu machen. (…) Das ist so, weil unsere Mission nicht darin besteht, alle Probleme der Welt zu lösen, sondern das Reich Gottes zu verkörpern und das Reich Gottes als den Ort zu verkünden, an dem diese Probleme gelöst werden.“ (S. 228)

Fazit:

„Fight“ von Preston Sprinkle hat mir persönlich sehr ermutigt und geholfen, einerseits einige Bibelstellen besser zu verstehen, andererseits meine Meinung über Gewalt und Krieg zu vertiefen und festigen, und zu guter Letzt danach zu streben in meinem Alltag wie Jesus selbst mit Gewalt umzugehen. 

Bei Interesse, hier ist die ISBN Nummer vom Buch: 978-0830781775

Buchempfehlung: „Bessere Entscheidungen, weniger Bedauern“

5 Fragen, um euch bei der Bestimmung eures nächsten Schrittes zu helfen

Das zweite Buch, das ich euch vorstellen bzw. empfehlen möchte, ist von Andy Stanley und trägt den Titel: Bessere Entscheidungen, weniger Bedauern: 5 Fragen, um euch bei der Bestimmung eures nächsten Schrittes zu helfen“ („Better Decisions, Fewer Regrets – 5 Questions to Help You Determine Your Next Move“)

Als ich den Titel gelesen habe, war mein erster Gedanke: „Typisch amerikanisch“. 5 Schritte, um bessere Entscheidungen zu treffen! 10 Schritte, um mehr zu glauben! 4 Schritte, um dies und jenes! 12,5 Schritte, um besser zu laufen! 5 Schritte, um abzunehmen! usw… usw… 

Andererseits schätze ich Andy Stanley für ein weiteres Buch von ihm über Kommunikation und Predigten („Communicating for a Change„). Deshalb habe ich erstmal den Titel ignoriert und mich auf das Thema des Buches konzentriert, nämlich: „Entscheidungen treffen um, im Leben weniger zu bereuen!

Nachdem ich das Buch gelesen habe, muss ich zugeben, dass der Titel doch gewisse Vorteile hat und Sinn ergibt. Entscheidungen treffen ist schwierig und komplex. Persönlich weiß ich manchmal nicht, wie ich mich an einer Entscheidung herantasten soll. Deshalb ist es durchaus hilfreich eine konkrete Herangehensweise zu haben, wie z.B. 5 bestimmte Fragen.

Diese Fragen helfen, sich Schritt für Schritt der Entscheidung zu nähern, wenn diese nicht eindeutig sein sollte.

„Zu wissen, welche Fragen man stellen muss, und tatsächlich innezuhalten, um sie zu stellen, sind zwei völlig verschiedene Dinge. Und obwohl wir uns noch nie getroffen haben, kann ich dir eines versprechen. Wenn du die Disziplin entwickelst, innezuhalten und diese fünf Fragen zu stellen, wirst du bessere Entscheidungen treffen und weniger bereuen.“ (S.5)

Bevor Andy Stanley zu den fünf Fragen kommt, schreibt er in der Einleitung über einige grundsätzliche Aspekte von Entscheidungen.

  • Ich kann zwar nicht entscheiden, wie andere Menschen auf meine Entscheidungen reagieren, aber sehr wohl, wie ICH auf die Entscheidungen anderer Menschen reagiere.

Deine Entscheidungen . (…) zusammen mit deinen Reaktionen auf die Entscheidungen anderer Menschen, die auch deine Entscheidungen sind (…) sind so ziemlich das Einzige, was du im Leben kontrollieren kannst, was bedeutet, dass du durch deine Entscheidungen deine Leben kontrollierst. Entscheidungen sind dein Steuerrad. Dein Joystick. Dein Keypad. Das bedeutet . . und das ist wichtig: Deine Entscheidungen bestimmen Deine Geschichte. Die Geschichte deines Lebens.“ (S.7)

  • Ich bin für MEINE Entscheidungen verantwortlich

„Die Moral von der Geschichte: Unabhängig davon, wie die Dinge laufen oder gelaufen sind, bist du für dich selbst verantwortlich. Du schreibst die Geschichte.“ (S.8)

  • Entscheidungen können nicht unabhängig von meinen Gefühlen getroffen werden

Unsere Kultur tut sich mit Emotionen und Gefühlen schwer. Wir würden oft gerne unsere Gefühle herausfiltern und sie kurz zur Seite schieben, um rational und sachlich Entscheidungen treffen zu können. Zu Recht betont Andy Stanley, dass das nicht möglich ist.

Unsere Entscheidungen werden stark von unseren Gefühlen und unserem Verlangen beeinflusst. Die Forschung zeigt, dass wir nicht in der Lage sind, Entscheidungen unabhängig von unseren Gefühlen zu treffen.“ (S.10)

  • Private Entscheidungen bleiben nicht privat

„Wir wissen nie, was oder wer von den Entscheidungen abhängt, die wir treffen. Was wir aber wissen, ist dies: Private Entscheidungen haben öffentliche Auswirkungen. Deine privaten Entscheidungen werden wahrscheinlich nicht privat bleiben. Deine persönlichen Entscheidungen werden Auswirkungen auf andere Personen haben.“ (S.17)

Die erste Frage, die wir uns im Prozess einer Entscheidungen stellen sollten, lautet:

„1. Die Frage der Integrität: Bin ich ehrlich zu mir selbst… wirklich?“ (S.19)

Nichts ändert sich, solange wir nicht brutal ehrlich zu der Person im Spiegel sind. (…) Sage dir  die Wahrheit, auch wenn du dich dadurch schlecht fühlst. (…) Du kannst erst dann die für dich beste Entscheidung treffen, wenn du ehrlich zu dir selbst bist.“ (S.24)

„Ehrlich zu uns selbst zu sein, kann zwar ein bisschen beängstigend sein, aber ehrlich zu uns selbst zu sein, uns die Wahrheit zu sagen, kann … befreiend sein.“ (S.48)

Anschließend an jede Frage stellt uns Andy Stanley vor eine Entscheidung. Die erste Entscheidung, die aus der erste Frage kommt, ist die folgende:

Entscheidung Nr. 1: Ich werde mich nicht anlügen, auch wenn ich mich in Wahrheit schlecht fühle.“ (S.50)

Die zweite Frage behandelt m.E. ein spannendes und interessantes Thema. Nämlich welche Geschichte will ich über mein Leben erzählen. Vielleicht werde ich das nur einer Person erzählen. Vielleicht zehn, hundert, tausenden. So oder so schreiben wir jeden Tag einen Abschnitt unserer eigenen Biografien. Welche Geschichte möchte ich erzählen? Genau darum geht es in der 2. Frage.

„2. Die Frage nach dem Vermächtnis: Welche Geschichte möchte ich erzählen?“ (S.53)

Jede Entscheidung, die du triffst, wird zu einem festen Bestandteil deiner Geschichte.“ (S.53)

Die Entscheidungen, die du gerade triffst… diese Woche… heute… werden sich auf eine Geschichte reduzieren, die du erzählst. Sobald sie hinter dir liegen, ist es eine Geschichte. Punkt. Wenn du vor Kurzem deinen Job verloren hast, wird das Überleben dieser Saison ohne Job eine Geschichte sein, die du eines Tages erzählen wirst. Welche Geschichte willst du erzählen?“ (S.60)

„Schreibe eine gute Geschichte. Entscheide dich für eine gute Geschichte.“ (S.60)

„Und unabhängig davon, was du gerade durchmachst, ist auch deine Geschichte noch nicht zu Ende. Sie wird immer noch geschrieben. (…) Ein Schritt nach dem anderen.“ (S.74)

Natürlich stellt sich die Frage: Wie erkenne ich im Voraus, ob ich mich für eine gute Geschichte entschieden habe? 

„Erst wenn wir uns gegen den Trend entscheiden, entscheiden wir uns für eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. (…) Treffe niemals eine Entscheidung, die dich zu einem Lügner auf Lebenszeit macht.“ (S.84)

Deshalb sollten wir uns entscheiden:

Entscheidung Nr. 2: Ich werde eine Geschichte schreiben, auf die ich stolz bin, ein Schritt nach dem anderen.“ (S.87)

So kommen wir zur dritten Frage: 

„3. Die Gewissensfrage: Gibt es eine Spannung, die meine Aufmerksamkeit erfordert?“ (S.89)

Man sagt oft „Hinterher ist man immer klüger!“ Wenn man aber nach einer Entscheidung, die sich als verkehrt herausgestellt hat, zurückblickt, erkennt man oft, dass man doch ein Gefühl hatte, dass die Entscheidung nicht gut war. Leider konnte man dieses innere Gefühl nicht konkret bezeichnen und  aus diesem Grund haben wir nicht darauf geachtet. 

„Experten bezeichnen dieses Phänomen manchmal als „Red Flag“-Moment, ein inneres Gefühl von „Ich bin mir nicht sicher, warum, aber irgendetwas an dieser Sache fühlt sich nicht richtig an“. Wenn das passiert, bist du es dir selbst schuldig, innezuhalten und auf die Spannung zu achten. Ignoriere sie nicht.“ (S.92)

Emotionen erfüllen einen Zweck: Sie informieren uns darüber, was zu tun ist. Wenn unser Gehirn auf etwas stößt und es als „rote Flagge“ einstuft, werden wir durch Gedanken und Gefühle, die durch Emotionen ausgelöst werden, darauf hingewiesen. Diese „rote Flagge“ mahnt uns zur Aufmerksamkeit. Unsere Emotionen fungieren als ein System, das uns darauf hinweist, aufmerksam zu sein und zu handeln. (Paul Andrew Naeger, “Red Flag” Decision Making, August 4, 2015.)“ (S.94)

„Wenn dich etwas stört, dann lasse es zu, dass es dich stört. Wenn dir etwas an ihm … an ihr … an dem Job … dem Angebot … der Einladung … dem Geschäft … dem Vertrag … stört, dann stelle dich dem. Lass es  zu. Entschuldige es nicht. Stelle dich dieser Spannung, bis sie entweder verschwindet oder du dich entscheidest, einen anderen Weg zu gehen. Achte auf die Spannung. Was als unangenehmes Gefühl beginnt, wird später oft durch Vernunft unterstützt. Information. Einsicht. Aber wenn du nicht innehältst, wirst du es nicht sehen.“ (S.99)

„Entscheidung Nr. 3: Ich werde mein Gewissen erforschen, anstatt es zu ignorieren.“ (S.114)

„4. Die Frage nach der Reife: Was ist das Klügste, was ich tun kann?“ (S.115)

In Zusammenhang mit der Entscheidung Nr. 3 und der vierten Frage macht Andy Stanley deutlich, dass wir uns nichts vormachen sollten. Wenn wir uns zwischen zwei Sachen entscheiden müssen, werden wir uns i.d.R.  für das „Verbotene“ entscheiden.

„Ob es um Ausgangssperre, Ernährung, Autofahren oder Ausgaben geht … unsere natürliche Neigung ist es, so nah wie möglich an der Grenze zu leben. Welche Grenze? Die Grenze zwischen legal und illegal. Die Grenze zwischen verantwortlich und unverantwortlich. Die Grenze zwischen moralisch und unmoralisch. Ethisch und unethisch.“ (S.116-117)

„Eine Option kann gleichzeitig nicht falsch und unklug sein. Und das bringt uns zu unserer vierten Frage. Die Frage nach der Reife.“ (S.120)

In diesem Kapitel, erklärt Andy Stanley was wir wahrscheinlich in unserem Inneren sehr wohl wissen, aber oft ignorieren (mir geht’s zumindest oft so):

Deinem größten Bedauern gingen eine Reihe von unklugen Entscheidungen voraus. Sie waren nicht falsch. Sie waren nicht illegal oder unmoralisch. Aber rückblickend waren sie furchtbar unklug. Und diese Reihe unkluger Entscheidungen ebnete den Weg zu dem Moment, den du seither bereust. Oder? Woher soll ich das wissen? Das ist der Lauf der Dinge. Nur weil da kein „Du sollst nicht“ dranhängt, heißt das nicht unbedingt „Du sollst“.“ (S.121)

Deshalb: 

„Begnüge dich nicht damit, das Richtige zu tun. Tu das Kluge.“ (S.133)

Der Autor geht weiter auf Epheser 5,15-16 ein: „Gebt also sorgfältig darauf Acht, wie ihr lebt! Verhaltet euch nicht wie unverständige Leute, sondern verhaltet euch klug. Macht den bestmöglichen Gebrauch von eurer Zeit, gerade weil wir in einer schlimmen Zeit leben.“ Darüber schreibt Andy Stanley Folgendes: 

„Um es negativ auszudrücken: Seid nicht unvorsichtig, wie ihr lebt. (…) Nicht als unklug, sondern als klug. Mit diesen sechs Worten legt Paulus das Kriterium offen, nach dem er und wir unsere Möglichkeiten abwägen sollen. Das ist das Raster, mit dem wir jede Einladung und jede Gelegenheit bewerten sollen. Dies ist der Standard, der Maßstab, nach dem wir unsere finanziellen, beziehungsbezogenen und beruflichen Entscheidungen beurteilen sollen. Und damit unsere Frage: Was ist das Klügste, was wir tun können?“ (S.123)

„So verständlich das auch klingt, die Wahrheit ist, dass die meisten Menschen sich erst dann klug entscheiden, wenn sie keine andere Wahl mehr haben.“ (S.128)

Deshalb spielt diese vierte Frage eine wichtige Rolle: 

„In Anbetracht meiner bisherigen Erfahrungen, meiner derzeitigen Umstände und meiner zukünftigen Hoffnungen und Träume, was ist das Klügste, was ich tun kann?“ (S.130)

„Wer nicht darauf achtet, was ihn gestern in Schwierigkeiten gebracht hat, wird morgen in denselben Schwierigkeiten landen.“ (S.131)

Jesus hatte Recht. Jeder Tag hat seine eigenen Sorgen. Wenn wir nicht aufpassen, lassen wir zu, dass der Druck, die Ängste und die Umstände von heute uns zu Entscheidungen treiben, die wir morgen bereuen werden.“ (S.133)

Der Zweck unserer vierten Frage ist nicht, dich davon abzuhalten, etwas Falsches zu tun. Es geht darum, dich davon abzuhalten, etwas Unkluges zu tun. Unklugheit ist das Tor zur Reue.“ (S.139)

Entscheidung Nr. 4: Ich werde die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft in Betracht ziehen.“ (S.178)

Als fünfte Frage, betont Andy Stanley das Wichtigste: 

5. Die Beziehungsfrage: Was verlangt die Liebe von mir?“ (S.145)

„Es führte kein Weg daran vorbei. Jesus beanspruchte, der Gold- oder Platinstandard für Liebe zu sein. Offensichtlich war es im letzten Jahrhundert so, dass man für andere das tat, wovon man hoffte, dass sie es einem zurückgeben würden. Jesus forderte seine Jünger auf, einander so zu behandeln, wie er sie behandelt hatte. (…) „Liebt, wie ich euch geliebt habe“.“ (S.151-152)

Wir werden an dieser Stelle wieder daran erinnert, dass es nicht um eine romantische Liebe geht, bzw. ob eine Entscheidung sich schön und angenehm für das Herz anfühlt. Es geht auch weder um Philosophie noch um interessante Denkweise. Es geht darum ganz praktisch und konkret Liebe in unseren Entscheidungen zu LEBEN!

„Sein (Jesus) Hauptanliegen war nicht, dass sie (die Jünger) etwas glauben. Er bestand darauf, dass sie etwas tun. Sie sollten so lieben, wie er geliebt hatte.“ (S.153)

Diese Handlung fängt auch damit an, dass ich andere in meine Entscheidungsprozesse mit einbeziehe.

Echte Jesus-Nachfolger würden ihre Liebe zu Gott nicht durch einen Blick nach oben bestätigen. Sie würden ihre Hingabe bestätigen, indem sie sich umsehen.“ (S.154)

Persönlich habe ich die fünfte Frage sehr oft im Zusammenhang mit Entscheidungen gehört. Durch dieses Buch ist sie mir aber neu wichtig geworden. Im folgenden Zitat formuliert Andy Stanley Philipper 2,6-8 und Johannes 13,34 mit seinen eigenen Worten:

„Jesus hat sein neues Gebot nicht an seinem göttlichen Recht als König festgemacht. Er verankerte es in seiner aufopfernden Liebe.“ (S.155)

Das bringt mich persönlich zu einer weiteren Frage: Wie bereit bin ich, in meinen Entscheidungen andere über mich zu stellen? Ich glaube, dass diese Frage eine Entscheidungsfrage ist und sicherlich auch eine entscheidende Frage.

Diese klärende, aber auch erschreckende Frage sollte über unser Gewissen wachen. Sie sollte uns als Leitfaden, Wegweiser und Kompass dienen, wenn wir uns durch die unvermeidlichen, jeder Beziehung innewohnenden Komplexitäten bewegen. Sie sollte die Art und Weise beeinflussen, wie wir uns verabreden, Eltern werden, Chefs sind, verwalten und coachen. Sie sollte einen Rahmen für das bilden, was wir in unseren Rollen als Ehepartner, Mitarbeiter und Nachbarn sagen und tun. Diese Frage (…) macht die fade Rechtfertigung zunichte: „Aber in der Bibel steht doch gar nichts von ______.“ Sie schließt Schlupflöcher. Sie entlarvt Heuchelei. Sie fungiert als Richter und Jury. Es ist so einfach. Aber sie ist so unausweichlich anspruchsvoll.“ (S.159-160)

Die Liebe verlangt von uns, dass wir das Beste sehen und glauben, während wir den Rest herunterspielen. (…) Paulus sagt, dass die Liebe „immer beschützt“. Die Liebe verlangt von uns, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um die Beziehung zu schützen oder zu bewahren.“ (S.164)

Recht zu haben, war nicht das, was die Liebe von dir verlangte.“ (S.165)

Dieses letzte Zitat können wir ruhig in der Präsensform formulieren: Recht zu haben, IST nicht das, was die Liebe von dir VERLANGT.

Deshalb ist die Entscheidung, die aus der fünften Frage kommt, so wichtig und grundlegend:

„Entscheidung Nr. 5: Ich werde bei meinen Entscheidungen die Interessen der anderen berücksichtigen.“ (S.166)

Diese fünf Fragen und fünf Entscheidungen sind eine tolle Orientierung und Hilfe. Nichtsdestotrotz wissen wir alle, dass es im alltäglichen Leben nicht immer so einfach ist. Leider gibt es selten eine ganz konkrete und klare Antwort auf diese Fragen. Manchmal schon. Aber oft ist es etwas kniffliger. Deshalb geht Andy Stanley am Schluss seines Buches auch bewusst darauf ein.

„Es gibt keinen anderen Frieden als den, zu wissen, dass man im Einklang mit Gottes Willen für sein Leben ist.“ (S.172)

Dein Bedauern ist nur ein Teil deiner Geschichte. Es muss nicht die ganze Geschichte sein. Deine Vergangenheit sollte an dich erinnern. Sie muss dich nicht definieren.“ (S.176)

Als Schlusssatz dieser Rezension passt am besten der Schlusssatz dieses Buches: 

Erhöhe deinen Lebensstandard von dem, was akzeptabel ist, zu dem, was weise ist. Tue, was die Liebe von dir verlangt. Schreibe eine Geschichte, die du mit Stolz erzählen kannst – eine Geschichte, die sich durch bessere Entscheidungen und weniger Reue auszeichnet.“ (S.176)